Zwischenbilanz

Vientianne, Sonntag, 22.01.2012

Es ist Zeit, mal eine Zwischensumme zu ziehen.  Lange habe ich nachgedacht, ob ich das veroeffentlichen moechte/sollte.  Zuerst war es mir wichtig, die Erlebnisse zu verarbeiten und die vielen kleinen Dinge, ueber die ich waerhend der vielen Stunden im Sattel nachgedacht habe, fuer mich selbst zu sammeln.  Vielleicht interessiert es ja den Einen oder Anderen, jetzt wird’s aber persoenlich.  Also bin ich Niemandem boese, wenn er hier aufhoert zu lesen.

Also:

Ich fuehl mich so sauwohl in meiner Haut momentan, ich kann es kaum beschreiben.  Eigentlich ist alles perfekt.  Wenn da nicht zwei Sachen waeren, die einen grossen Schatten ueber meine Reise werfen.  Aber dazu speater.

Ich entwickle ein Koerpergefuehl, wie ich es bis dato noch nie hatte.  Jeden morgen im Sattel, freue ich mich darauf, meinen Koerper wieder warm zu fahren, um ihm dann bei der Arbeit zu zu sehen.  Einfach faszinierend, wie er funktioniert und mit meinem Bike eine Symbiose bildet.  Das Fahren an sich habe ich inzwischen komplett automatisiert.  Sprich, ich muss nich mehr nachdenken, in welchen Gang ich fuer den vorstehenden Anstieg schalten muss.  Ich tue es einfach.  Der Wechsel vom Sitzen ins Stehen erfolgt ebenso von selbst.  Ich fuehl mich gut, beim Fahren.  Fuehle mich kraftvoll und stark.  Ich mag meinen Koerper.  Und mein Bike.  Und jeden, der diesen Text liest.  Und den Rest der Welt auch.

Die viele Bewegung, die frische Luft und das Essen tun gut.  Schon lange habe ich mich nicht mehr so gesund gefuehlt, wie in den letzten Tagen.   Fast schon kindliche Freude habe ich daran, den Stoffwechsel in mir zu beobachten.  Unglaublich, was ich an Futter und Wasser durch mich durch jage.  10-12 Liter Wasser am Tag sind keine Seltenheit, und  Essen inhalliere ich foermlich.  Und ich merke, wie mir die vitaminreiche und fleischarme Kost hilft.  Viel Gemuese und Obst, Fisch, Meeresfruechte und wenig Fleisch, kombiniert mit Reis oder Nudeln – das gib echt Power.  Das ist etwas, was ich auf jeden Fall aus diesem Urlaub mitnehmen moechte.  Mehr auf mich zu achten und gesuender Essen.  Nicht mehr so viel Mist in mich rein tun.

In den vielen Stunden, so alleine mit mir und meinen Gedanken, kann ich Vieles sortieren.  Meist bewege ich mich in der Vergangenheit und versuche zu bewerten, was da so alles passiert ist.  Und das war eine ganze Menge.  Mir sind viele gute Dinge passiert.  Und je mehr ich nachdenke, finde ich mehr Gutes, als ich geglaubt haette.  Allem Voran aber meine beiden Soehne, die mir immer wieder Kraft, Antrieb und Freude am Leben geben.  Zwei tolle Jungs, die ich so liebe, wie noch niemanden zuvor auf dieser Welt.  Das wird mir auf der Fahrt immer bewusster.  Die Jahre, die ich ich Muenchen verbracht habe, waren ein stetes Auf und Ab.  Dennoch moechte ich diese Zeit nicht missen.

Es ist einfach gut, mal ein wenig Abstand zu mir und meinem alltaeglichen Leben zu gewinnen.  Ich versuche, mich aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.  Es scheint zu funktionieren.  Seit langer Zeit kann ich wieder zufrieden mir mir selbst sein, weil ich endlich mal Zeit hatte, Dinge, die teilweise weit in der Vergangenheit liegen, mental zu verarbeiten.  Antworten fuer mich selbst zu finden oder einfach mit gewissen Dingen abzuschliessen.

Alles in Allem:  Ein voller Erfolg.  Mir geht’s einfach sausuperobergeilgut!

Nun zu den Schattenseiten dieses Urlaubs, derer Zwei:

Zum Einen ist da diese Scheissdrecksverdammte…grrrrrmmmmmpppfffff…tsefixRaucherei!  Ich hasse mich so stark dafuer!  Waerend meiner Tage auf dem Rad bin ich zwar weitestgehend abstinent, aber abends kann ich davon nicht ablassen.  Weiss nicht warum.  Bis dato habe ich etwa 1500 km hinter mir.  In bergigem Gelaende.  Dabei ca. 9000 Hoehenmeter hinter mir gelassen.  Da bin ich schon ein wenig stolz drauf.  Aber, die wirklich wichtige Frage ist doch:  Was haette ich leisten koennen, hatte ich mir nicht in den letzten 20 Jahren jeden Tag eine Packung Zigaretten in die Lungen gepruegelt.  Dabei schmecken die Dinger nicht mal wirklich.  Einfach dumm.  In jedem Anstieg, in dem mir die Kraft ausgeht, hasse ich mich dafuer.  Das ist so sinnlos.  Aber ich kann nicht aufhoeren.

Zum Zweiten (und das wiegt noch viel schwerer), ist die Tatsache, dass eine bestimmte Sie vor einigen Wochen einfach die Kommunikation eingestellt hat.  Und ich verstehe einfach nicht, warum.  Wir kennen uns inzwischen seit mehr als 20 Jahren und hatten, wie sagt man heute so schoen, eine „on and off Beziehung“.  Mein letzter Status war „on“.  Unser letztes treffen harmonisch und sehr schoen.  Ich bin mir keiner Schuld bewusst.  Auf einmal ignoriert sie alle meine Kontakversuche.  Das frustiert mich masslos.

Mit Verlusten und Niederlagen kann ich inzwischen gut umgehen.  Sie gehoeren zu meinem Leben.  Will man etwas erreichen, so muss man sich bewegen.  Nach vorne.  Und Risiken eingehen.  Das habe ich immer getan, steckt in meiner Natur.  Und unterm Strich, finde ich das auch richtig so.  In jedem Risiko steckt eine Chance, aber auch eine moegliche Niederlage.  Ergo ist es fuer mich recht normal, das nicht alles so funktioniert, wie ich mir das so vorstelle.  Leben ist halt das, was passiert, waehrend man Plaene macht.

Wenn ich also etwas Neues probiere, weiss ich schon , dass der Schuss nach hinten los gehen kann.  Kein Problem.  Solange ich mir im Nachhinein irgendwie erklaeren kann, warum und wieso manches nicht geklappt hat.  Dann kann ich das verabeiten und abschliessen.  Aber ich brauche zwingend eine Erklaerung!

Und genau dass macht mich momentan echt krank.  Ich kann’s nicht verstehen.  Warum kann ein Mensch, zu dem ueber Jahrzehnte hinweg eine enge Bindung herrschte, von jetzt auf gleich das Gespraech einstellenkann?  Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was da passiert ist.  Selbst wenn ich irgendwie die Kronjuwelen gestolen haette, oder sonst einen Bloedsinn gemacht oder gesagt haette, man muss doch drueber reden koennen.  Das macht mich echt fertig.  Und sehr traurig.

One Response to “Zwischenbilanz”

  1. Kathrin sagt:

    Ich hoffe es geht Dir schon wieder besser.

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