Tha Lat (oder doch nicht?) nach Vientianne

Samstag, 21.1.2012

Wieder im Morgengrauen los. Die ganze Nacht hindurch hat es geregnet und stelle mich auf eine entsprechende Schlammschlacht ein. Aber nein, sind angenehme 20 Grad, die Strassen noch etwas feucht und schon sehr schnell wieder ganz trocken.

Mein Gefuehl sagt mir wieder, das ich in der falschen Richtung unterwegs bin. Also frage ich drei Laoten unabhaengig voneinander, wie ich zum Ang Nam Ngum komme. Inzwischen habe ich auch kapiert, dass es voellig sinnfrei ist, einem Lao eine Karte unter die Nase zu halten. Mal abgesehen davon, dass die wenigsten ueberhaupt lesen oder schreiben koennen, koennen schon gleich gar nichts mit einer Karte anfangen. Dass habe ich spasseshalber die letzten Tag schon ein paar mal getestet: Zeige mit dem Finger auf einen Punkt auf der Karte, der Dein vermeintlicher Standort ist. Das Gegenueber laechelt freundlich und nickt mehrfach mit dem Kopf. Dann waehle willkuerlich einen Punkt im Umkreis von 100 oder 200 km, das Gegenueber laechelt und nickt wieder fleissig.  Er hat nicht den Hauch einer Ahnung!

Jedenfalls frage ich 3 Laoten unabhaengig voneinander nach dem Weg zum Stausee.  Alle drei deuten nach Norden.  Also los.  Mein Gefuehl aber sagt mir, ich bin wieder in der falschen Richtung unterwegs.  Ich glaubte mich ja in Tha Lat, ergo muesste ich wieder weiter nach Osten fahren, bewegte mich aber zu weit nach Norden.  Naja, es gibt halt nur diese eine Strasse, also folge ich ihr weiter.  Dann erwische ich noch ein paar Hoehenmeter, die ich hier nicht erwartet haette.  Anderseits fahre ich zu einem Stausee… Auch irgendwie logisch, dass der etwas hoeher liegt.  Als ich den See erreiche, liegt dieser jedoch auf der rechten Seite, statt wie von mir erwartet frontal vor mir.  Jetzt begreife ich es dann doch so langsam und lasse mir das von einem Rezeptionist in einem Resort im Ort Na Nam bestaetigen.  Ich war niemals in Tha Lat, sondern in Pakkagnoung, 30 km suedlich von hier.

Also tue ich was gegen den immer waehrenden Hunger, werfe noch ein Immodium Akut ein (hilft zwar nicht gegen den Schmerz, aber gegen irgendwas bestimmt) und fahre die gleiche Strecke wieder zurueck.  Der Vermieterin des Guest Houses winke ich im Vorbeifahren noch freundlich zu, dem Typen in dem Resort, der mich leimen wollte, wuerde ich am liebsten einen bestimmten Finger zeigen, aber ich beherrsche mich. 

Ein paar Kilometer weiter tue ich wieder etwas gegen den immer waehrenden Hunger und treffe Heinz und Patricia wieder.  Die beiden raetseln gerade genaus so ueber ihren momentanen Standort.  Da kommen meine – inwischen gesicherten – Ortskenntnisse genau recht.  Sie hatten in Phonhong uebernachtet und heute genau den gleichen Fehler gemacht, wie ich am Vortag.

Ich bin jetzt irgendwie schlecht drauf.  Verfahren, Brille verloren, belogen worden, genau so weit wie am morgen, flotter Otto und Schmerzen.  Der erste Tag bisher, an dem ich wirklich keine Lust mehr habe.  Also beschliesse ich, mit den Beiden ein paar Kilometer mit zu fahren, und in dem etwa 20 km entfernten Keun den Bus nach Vientiane zu nehmen.  Die Zwei sind – wie man’s von den Schweizern halt so kenn – wirklich sehr gemuetlich unterwegs.  Ist mir aber momentan nicht unrecht, und ich hab ja noch Zeit genug. 

Keun ist laut Karte eine etwas groessere Ortschaft, es gibt genau eine Strasse, sollte also nicht zu verfehlen sein.  Irgendwann verliere ich meine Weggefaehrten, als ich ein Foto dieser beiden Damen mache:

IMG_3693

Eine gute Zeit spaeter:  Ein Schild.  Die habe ich schon seit geraumer Zeit vermisst.  Waehrend im Norden immer ein Wegweiser an den wichtigen Kreuzungen finden war, waren hier keine Schilder mehr zu finden.  Auch die Ortschaften trugen keine Namen mehr.  Die „Grenzsteine“ am Strassenrand, die in regelmaessigen Abstaenden die Entfernung zur naechst groessern Stadt zeigten, fehlten gaenzlich.  An dem Schild vor mir erkenne ich nun eine Distriktgrenze.  Also war ich etwas 20 km nach Keun.  Tsefix! 

Zurueck ist keine Option.  Und ich will unbedingt heute noch in der Hauptstadt ankommen, da ich Nachricht von einer ganz bestimmten Person aus Deutschland erwarte.  Von hier waren es noch etwa 55 km.  Also Pobacken und Zaehne zusammen kneifen und weiter.  Kurz vor Thangon, wo ich auch nochmal den Nam Lik ueberquere, finde ich am Strassenrand endlich diesen „Sticky Rice“ von dem ich schon so oft gehoert und gelesen habe.  Ich waehle die XXL-Variante fuer umgerechnet etwa einen Euro und mache eine kurze Rast.

Sticky Rice mit Kokosmilch und Fruchtstueckchen
Sticky Rice mit Kokosmilch und Fruchtstueckchen

Das Zeug gibt mir nochmal richtig Power fuer die letzten 25-30 km.  Thangon ist eine relativ grosse Stadt und der Verkehr ist ab jetzt moerderisch.  Und staubig.  Ich vermisse meine Brille instaendig.  Staub, auch ab und an vermischt mit dem einen oder anderen Insekt, in Mund und Nase, ist nicht so tragisch.  Aber meine Traenendruesen haben nicht den Hauch einer Chance, die feinen Partikel aus den Augen zu spuelen.  Der Wohlfuehlfaktor geht immer weiter runter.  Habe echt keinen Spass mehr dran. 

Wenigstens verleif die Suche nach einem Guest House diesmal unfallfrei.  Ich finde ein Zimmer, sauber, aber ohne Fenster.  Egal, ich will Duschen.  Es gibt einen halbwegs gut funktionierenden Durchlauferhitzer und paar Moskitos. 

Schnell ins Internet.  Keine Nachricht.  Nun ist der WF wirklich bei frostigen Null.
Am Abend treffe ich Pete und Harry wieder.  Sie sind mit dem Rest des Hollaendischen Cicle Clubs (insgesamt fuenf) im „Italian Pizza Pallace“ und feiern den Abschluss ihrer Reise.  Der belgische Geschaeftsfuehrer nimmt meine Order auf und der chinesische Koch bereitet mir eine Pizza Diavolo (zugegeben, Pizza Americano haette besser in diesen Text gepasst, aber ich mag’s scharf).  Das Essen, die gute Laune der Hollaender und ein/zwei Beerlao haben dann meine Laune wieder etwas verbessert.
Schlechte Tage gehoeren halt auch dazu. 
Ich werde jetzt erstmal 2 Tage in Vientianne bleiben und versuchen, mit Voltaren und wenig Bewegung die Sache wieder in den Griff zu kriegen…dann mal sehen.
Statistik:
km: 130/690
Zeit: 6:45
Durschnitt: 19,3
Wohlfuehlfaktor:  0-2

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